Was ist Fahren?

Was ist Fahren?

von Uschi Prell

Früher wurden alle Personen und Gütertransporte mit Pferdestärken erledigt. Das Pferd war ein wichtiger Wirtschaftsfaktor und ein herausragendes Kulturgut Mit der modernen Mechanisierung und der Erfindung der Motoren, hat das Pferd in diesem Sektor immer mehr an Bedeutung verloren. Der modernen Freizeitgesellschaft ist es jedoch zu verdanken, dass das Pferd auch heute noch ein ganz wesentlicher Bestandteil unseres Lebens geblieben ist. Freizeitgestaltung und Sport mit dem Partner Pferd haben in den letzten Jahrzehnten ständig an Bedeutung gewonnen.

Wie im Reiten gibt es dabei auch im Fahren die verschiedensten Ausprägungen:

1. Fahren als reine Freizeitbeschäftigung:
Beim Fahren ist es viel leichter, etwas mit der gesamten Familie zu unternehmen. So nimmt es nicht Wunder, dass in einer Zeit, in der sich die Familie oft nur am Mittagstisch trifft, gerade die gemeinsame Ausfahrt am Wochenende immer höheren Stellenwert einnimmt. Viele haben daran ihre Freude, ganz ohne Leistungsdruck in der freien Natur unterwegs zu sein. Gerade diese Fahrer präsentieren ihre Gespanne dann auch sauber herausgeputzt und geschmückt bei Fest- und Traditionsumzügen. Sie tragen damit einen großen Anteil dazu bei, dass das Kulturerbe „Fahren“ nicht in Vergessenheit gerät.

2. Wanderfahrten
Wer seinen Radius erweitern will, begibt sich immer häufiger auf weitere und, mehrere Tage dauernde, Touren. Dafür muss man jedoch viele Vorbereitungen treffen und die Ausrüstung für sich und die Pferde entsprechend zweckmäßig aussuchen. Von der genauen Planung der Route hängen Erholungswert und Erfolg der Fahrt ab.

3. Distanzfahrten
Eine ausgesprochen sportliche Variante dieser Streckenfahrten stellt das Distanzfahren dar, bei dem eine vorgeschriebene Strecke (von 35 – 160 km) in der bestmöglichen Zeit zu bewältigen ist. Je nach Geländeprofil und Länge stellt dies eine besondere Herausforderung an die Kondition und den Leistungswillen der Pferde dar. In Bayern werden alljährlich zirka 6-8 solcher Distanzritte und -fahrten veranstaltet.

4. Fahren als Sport
Analog zum Reiten gibt es auch bei Fahren sportliche Prüfungen. Sie sind ebenfalls in die Klassen E / A / M / S eingeteilt. Die Kombinierte Wertung einer Fahrprüfung setzt sich ähnlich wie bei Military-Prüfungen aus drei Teilprüfungen zusammen.

Die erste Prüfung ist die Dressur, bei der Ausstrahlung, Losgelassenheit, Ausbildungsstand der Pferde und ihr Gehorsam überprüft werden. Eine festgesetzte Aufgabe muss vom Fahrer vor den Augen von zwei kritischen Richtern gefahren werden. Für die einzelnen Lektionen können Wertnoten zwischen 1 und 10 vergeben werden. Der optische Eindruck von Gespann und Wagen fließen mit in die Bewertung ein. Auf Harmonie der Anspannung und Schönheit wird Wert gelegt.

Als zweites müssen Pferde und Fahrer die Gelände- und Streckenfahrt absolvieren. Neben einer festgelegten Wegestrecke, die in einer bestimmten Zeit und in einer bestimmten Gangart zu fahren ist, müssen noch 5 – 8 fest gebaute Hindernisse mit mehreren Durchfahrten absolviert werden. Hier müssen die Pferde ihre ganze Geschicklichkeit, ihre Schnelligkeit und ihren Mut unter Beweis stellen.
Kutsche und Geschirr sind auf diese besonderen Anforderungen ausgelegt. So werden Marathonkutschen teilweise aus Edelstahl gefertigt, verfügen über vier Scheibenbremsen, eine Deichselfederung und eine Nachlenkevorrichtung, wie sie von LKW-Anhängern bekannt ist. Das ist High-tech im Fahrsport.

Am Abschluss steht noch das sog. Hindernisfahren hier muss der Fahrer sein Gespann in vorgeschriebener Zeit zwischen Kegelpaaren hindurchsteuern, ohne die Kegel zu berühren. Sonst fällt der oben aufgelegte Ball und das Gespann kassiert Strafpunkte. Je nach Schwierigkeitsgrad erhält der Fahrer zur Spurweite seines Wagens 20 – 40 cm Zugabe. Nur ein absolut gehorsames und flottes Gespann absolviert den Hindernisparcours ohne Strafpunkte.
Aus den Strafpunkten dieser drei Teilprüfungen wird die sog. Kombinierte Wertung errechnet. Der Fahrer mit den wenigsten Strafpunkten hat den Sieg errungen.

Die Faszination solchen Fahrprüfungen lässt sich in Bayern auf vielen Turnieren live erleben. Hier werden die Kameraden „Pferd“ zum Hochleistungssportler.

Egal ob gemütlicher Sonntagnachmittagsausflug oder rasante Geländefahrt für jeden, der sich gerne mit Kutschen und Pferden beschäftigt ist sicher das Passende dabei. Dabei spielt es keine Rolle welche Rasse, welche Größe oder welche Anspannungsart man bevorzugt.